„Das mit den Russenweibern ist erledigt“

Im Eisenwerk von Buderus in Hirzenhain im Vogelsberg stellten Zwangsarbeiter:innen im 2. Weltkrieg Rüstungsgüter her. Am 26. März 1945, kurz vor Kriegsende, kam eine Einsatzgruppe der SS nach Hirzenhain. Diese Einsatzgruppe trieb 81 Frauen und 7 Männer, hauptsächlich osteuropäischer Herkunft, zu einem nahegelegenen Wald und erschoss diese 88 Menschen im Morgengrauen des 26. März. 

Die Toten wurden mehrfach umgebettet und fanden ihre letzte Ruhestätte im Kloster Arnsburg.

Der Historiker und ehemalige Bürgermeister von Friedberg Michael Keller erforschte und dokumentierte diesen Massenmord in Hirzenhain und gab seinem Buch obigen Titel: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“, so die Meldung des Adjutanten Wrede nach dem Massenmord.

Am 26. März 2025, dem 80. Jahrestag dieses Massakers, fanden sich ca. 50 Personen an dem Sandsteinkreuz am Waldrand, am Ort des Verbrechens ein, um der Ermordeten zu gedenken.

Eingangs sprach Pfarrer Burkhard Zentgraf für die evangelische Kirchengemeinde Hirzenhain/Steinberg, danach stellte Michael Keller die neuste Forschungslage zu dem Massenmord dar. Im Auftrag des Gemeindesvorstands Hirzenhain hielt der erste Beigeordnete Jan-Eric Herche eine Ansprache.

Musikalisch wurde die Feier umrahmt durch musikalische Beiträge von Volker Bilz aus Steinberg.

Abschließend stellte Ulrich Finkenzeller sein Projekt vor, den Massenmord am 26. März 1945 in einer Graphic Novel, einer Art Comic, zu verarbeiten.

Was ich vermisste: Angesichts der Zunahme von autokratischen Regimen weltweit, dem Erstarken der Rechten in Europa, den Wahlergebnissen der AfD in Ostdeutschland und auch in Hirzenhain (30 % ), den „Aufschrei“ :

SIE SIND WIEDER DA !!!!

Am Ende einer solchen Gedenkveranstaltung hätte klar und deutlich ausgesprochen werden müssen: NIE WIEDER IST JETZT !

Bilder: Judith Seipel, Pressestelle des Dekanates Büdinger Land