Besuch in der Gedenkstätte der Margit-Horvath-Stiftung

Lange wurde es geplant, und am 5. September war es dann soweit: 15 OMAS der Gruppe der OMAS GEGEN RECHTS Wetterau und drei Angehörige nahmen an einer Führung entlang des Historischen Lehrpfades rund um das Gelände der ehemaligen Außenstelle des KZ Natzweiler teil.

In den 1970er Jahren entdeckten drei Jugendliche, Mitglieder der Jugendorganisation der DKP, bei einer Studienfahrt in die KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf einer Karte zu den Haupt-Konzentrationslagern und den unglaublich vielen Außenstellen den Namen ihres Ortes: Mörfelden-Walldorf. Südlich des größten deutschen Flughafens gelegen.
Wieder zurückgekommen, begannen sie zu suchen und zu forschen und fanden im Ort so gut wie keine Unterstützung: Nach Kriegsende wurden die noch vorhandenen Gebäude und Baracken gesprengt und das Gebiet wiederaufgeforstet. Dass die Jugendlichen begannen zu recherchieren und alles „aufwühlten“ galt lange sogar als „Nestbeschmutzung“.

1996 begann die hauptamtliche Museumsleiterin der Stadt Mörfelden-Walldorf, Cornelia Rühlig, wieder mit der Forschung zu der KZ-Außenstelle. An diesem Ort waren nur ungarische Mädchen und junge Frauen inhaftiert. Frau Rühlig erhielt Einsicht in Lagerakten, Ermittlungsakten über SS-Offiziere und weitere Unterlagen, die wichtig sind, um auch das Schicksal der ehemaligen Inhaftierten freizulegen.

Es gelang ihrem Team, eine inzwischen in Frankfurt lebende Gefangene ausfindig zu machen: Margit Horvath. Dies war der Beginn eines Fadens, der zu weiteren Überlebenden führte. Zusammen mit der örtlichen Bertha-von-Suttner-Schule beteiligten sich Jugendliche an der Aufarbeitung. Das Engagement von Frau Rühlig führte dazu, dass Margit Horvath sich entschloss, das ihr nach langem Kampf zugestandene Entschädigungsgeld zur Gründung einer Stiftung zu verwenden.


Frau Rühlig führte die Gruppe der OMAS über den Historischen Lehrpfad. Sie schilderte sehr lebendig die damaligen Ereignisse, was die Frauen leisten mussten, erlitten und wie sie sich doch gegenseitig stützten.

Die Stiftung errichtete ein Dokumentations-Gebäude über den freigelegten Kellerräumen der Küchen-Baracke. Dass die OMAS (und natürlich alle anderen Besucher der Gedenkstätte) diese besichtigen konnten, ist den vielen, auch internationalen, Projekten der Stiftung zu verdanken: junge Menschen aus aller Welt und natürlich Deutschland graben, säubern, sortieren und katalogisieren, was sie freilegen.

Die Stiftung wird in ihrer Arbeit unter anderem auch vom Flughafen Frankfurt unterstützt: Haben doch die ungarischen Mädchen und Frauen die Center-Bahn in Schwerstarbeit erbauen müssen……

An diesem sonnigen und warmen Tag waren die Berichte von Frau Rühlig umso bedrückender.


Besuch der Gedenkstätte und Führung sind kostenlos, einen Umschlag mit einer Spende zu übergeben ließen sich die OMAS nicht nehmen.

Dies war der zweite Besuch einer Gedenkstätte in der Nähe des Aktionsbereichs der OMAS GEGEN RECHTS Wetterau: Letztes Jahr Gedenkstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken Frankfurt und nun die Gedenkstätte der Margit-Horvath-Stiftung.

Es sind nicht die einzigen Zeugnisse der menschenverachtenden Politik der Nazis in unmittelbarer Nähe, man muss sie nur finden.