Erfurt 4. und 5. Juli

Am 4. + 5. Juli 2026 fand in Erfurt der Bundesparteitag der AfD statt. Dieses Datum ist historisch belastet: Auf den Tag genau wurde vor 100 Jahren in Weimar die Hitlerjugend gegründet. Auf den Tag genau vor 100 Jahren demonstrierte die NSDAP martialisch ihren Machtanspruch.

Dieser historische Zusammenhang war der Grund für die Bündnisse „widersetzen“ und „zusammenstehen“, Gegenproteste zu organisieren. Die örtlichen OMAS GEGEN RECHTS waren intensiv in die Vorbereitungen eingebunden.

Um einen kleinen Beitrag zum Gegenprotest zu leisten, beschlossen die OMAS Regina, Ute und Carmela gemeinsam nach Erfurt zu fahren. Am Freitag, 3. Juli, fuhren sie vormittags mit dem Auto los, und das war auch gut so: wären sie zwei Stunden später losgefahren, wären sie nicht mehr auf der geplanten Route nach Erfurt in ihre Quartiere gekommen, weil die Polizei sehr früh die Haupt-Zufahrten sperrte.

Dass Regina eine private Unterkunft hatte, war gut für die drei Ortsunkundigen: Ihre Gastgeberin nahm sie am späten Nachmittag sozusagen an die Hand und begleitete sie in die Innenstadt. Sie wollten nämlich am antifaschistischen Stadtrundgang teilnehmen. Die Zeit vorher nutzte Reginas Gastgeberin, um ihnen die örtlichen Gegebenheiten zu zeigen und auch ein bisschen was über Erfurt zu erzählen.

Um 18 Uhr begann dann am Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof der antifaschistische Stadtrundgang. Der Rundgang wurde erarbeitet und auch durchgeführt von der Projektgruppe „Erfurt im Nationalsozialismus“ beim DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. In der kleinen Broschüre, die ausgeteilt wurde, heißt es: „In einem 2stündigen Stadtrundgang wollen wir einen lokalgeschichtlichen Blick auf die Frage werfen, wie die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind……“

Sechs Stationen wurden besucht. Und an jeder Station gab es sehr viel mehr Informationen für die vielen Teilnehmenden an diesem Stadtrundgang (der an sich schon eine kleine Demonstration war und Polizeibegleitung zur Absicherung hatte). Die Organisatoren hatten vielleicht mit 100 Personen gerechnet – im Endeffekt war es dann mehr als die doppelte Anzahl, die den geschichtlichen Spuren folgte.

Samstag, der 4. Juli war dann der große Demonstrations- und Aktionstag. Die allermeisten OMAS hatten sich entschlossen, an der Demonstration ab 10 Uhr teilzunehmen. Einen großen Block wollten sie bilden, trafen sich vor der Bäckerei am Willy-Brandt-Platz. Dort fanden sich dann auch die OMAS aus ganz Deutschland, die sich schon länger kennen und sich auch lautstark freuten, einander bei der Demo gefunden zu haben. Die OMAS waren umgeben von vielen anderen Gruppen, die sich dann mit den OMAS mischten, als sich der antifaschistische Lindwurm in Bewegung setzte. Großer OMAS-Block war dann nicht leider nicht möglich. Immer wieder waren die Anfeuerungsrufe der Antifaschisten zu hören, eine fröhliche, begeisterte Stimmung lag über den Demonstrierenden.

Schon beim Spaziergang mit Reginas Gastgeberin fiel auf, dass in vielen Fenstern, an Gebäuden und Dekorationen im öffentlichen Raum die Goldseite von Rettungsdecken zu sehen ist oder Mobiles aus Goldfolie im Wind wehen. Es handelt sich um die Aktion „Gold statt Braun“ von Kulturschaffenden und zivilgesellschaftlichen Gruppen für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft. Höhepunkt der jährlichen Aktion ist der 8./9. Mai. Überall waren Banner zu sehen für ein weltoffenes, buntes, tolerantes Thüringen und LGBTQ+-Fahnen – man kann sich mit dieser Dekoration sehr schwer vorstellen, dass 33% der Thüringer Einwohner die AfD in den Thüringer Landtag wählten.

Am Gothaer Platz gab es einen Stopp. Reden wurden gehalten, „Schlachtrufe“ skandiert und Gespräche untereinander geführt. Und vom Gothaer Platz aus ging es bergauf zur Messe, wo die AfD bereits ihren Parteitag abhielt – die Delegierten waren zwischen 3 und 5 Uhr am Morgen mit Bussen und über abgesperrte Wege zu den Messehallen gebracht worden und mussten dort bis zum Beginn ausharren…..

Carmela, Ute und Regina waren im Laufe des Demonstrationszuges irgendwie in der Mitte gelandet. Von dort war weder der Anfang noch das Ende des Zuges zu sehen, und das lag nicht daran, dass die Straße die eine oder andere Biegung machte. Vom Gothaer Platz aus ist die Straße zur Messe gut einsehbar, und es waren viele, sehr viele Menschen auf dem Weg dorthin. Und die drei machten sich ebenfalls auf den Weg.

Als sie auf das Aktionsgelände einbogen, wunderten sie sich über eine Menschenansammlung, die rote Schirme aufgespannt hatten und vor sich hielten. Hinter der Absperrung war ein Mensch mit einem Motorradhelm zu sehen, der in ein Mikrofon redete und in eine Kamera blickte. Sie erfuhren später, dass es sich um den rechten Streamer „Weichreite“ handelte, dem mit den Schirmen und zusätzlich an den Seiten mit ausgebreiteten Rettungsdecken der Blick auf die Demonstrierenden verwehrt wurde.

Nach einiger Zeit verließen die drei das Messegelände wieder; sie wollten noch etwas von den Aktionen in der Stadt mitbekommen. Eine Menge weiterer Demonstrierender verließen mit ihnen das Gelände, und entgegen kam ihnen wohl die doppelte Anzahl an Menschen, die noch auf das Messegelände wollten. Am Gothaer Platz wieder angekommen, stellten sie fest, dass der Zugang zur Messe gesperrt worden war – das Messegelände war wegen Überfüllung geschlossen worden.

Es gab zwei große Aktionsflächen in der Innenstadt: Hirschgarten und Anger, sowie etwas abgelegen war der große Stand der OMAS Erfurt auf dem Theaterplatz. Alle Kirchen in der Stadt waren geöffnet, boten Ruhe und Erholung und Gespräche. Und die ganze Zeit schien es, als liege eine Hochstimmung über Erfurt.

Auf dem Theaterplatz gab es noch einen Flashmob der OMAS und einiger anderer Zuschauer, dann mussten endlich mal die Füße etwas geschont und auch der Magen gefüllt werden. Die drei taten sich mit den dreien aus Kandel und der Südpfalz zusammen, ergatterten einen großen Tisch im Garten einer Pizzeria und genossen den gemeinsamen Abend mit leckerem Essen und guten Gesprächen.

FAZIT: Ein ereignisreiches Wochenende mit vielen OMAS, Wiedersehensfreude, Kennenlernen, guten Gesprächen und vielen freundlichen Menschen. Wiederholung garantiert……