Gedanken zum 27. Januar






Gedanken zum 27. Januar

Was ist das für ein besonderer Tag?

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit.

Der Name „Auschwitz“ steht als Synonym für die schrecklichen Taten der Nazis. In Auschwitz und Birkenau wurden ab 1940 systematisch Menschen unter grausamen Bedingungen inhaftiert, gefoltert oder sofort umgebracht. Doch dies geschah nicht plötzlich.

Es begann mit Werteverschiebung.

Alle Personen, die anders als die Nationalsozialisten dachten, handelten, glaubten und redeten, wurden ausgegrenzt. Und als erstes traf es die jüdische Bevölkerung. Wie es endete, wissen wir: mit 6 Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden, Junge, Alte, Kinder und Erwachsene.

Und was geschieht derzeit in Deutschland? Wir müssen erleben, dass jüdisches Leben hier wieder bedroht ist. Die Polizei ist verstärkt im Einsatz, doch die Sprache, derer sich im Netz, in der täglichen Kommunikation bedient wird, kann die Polizei nicht schützen. Wir selbst müssen für den Schutz jüdischen Lebens sorgen: in den Ausdrücken, denen wir widersprechen; in Witzen, bei denen wir nicht mitlachen; in Posts, die wir nicht teilen; in Lügen, denen wir Fakten entgegensetzen; in Situationen, in denen wir andere unterstützen, die bedroht, beschimpft oder ausgegrenzt werden.

Als das nennt sich Zivilcourage. Und die ist bitter nötig. Wegducken, wegschauen, sich nicht trauen schafft eine Atmosphäre, die ein erneutes Erstarken der Unterdrückung, der Ausgrenzung, der Gleichschaltung, kurz: des Faschismus begünstigt.

Der 27. Januar ist ein Gedenktag. Dieses Tages zu gedenken, heißt Verantwortung übernehmen. Verantwortung dafür, wie unsere Zukunft sich gestaltet: als Demokratie mit Anerkennung der Menschenrechte für alle. Dies ist auch eine Entscheidung dafür, welche Haltung wir einnehmen unseren Mitmenschen gegenüber.

Seid Menschen.